Dass aus den Reihen der ‘Gläubigen’ scharf geschossen wird, kennt man. Einerlei welcher monotonen monotheistischen Religion und welcher Unter-Sekte sie angehören.
In letzter Zeit jedoch, bemerke ich immer öfter, dass es unter den sich selbst so bezeichnenden Atheisten etwas gibt, was man im Militärjargon ”Friendly Fire” nennt. “Freundliches Feuer” – Schüsse aus den eigenen Reihen in die eigenen Reihen. Ein Angriff auf die eigenen Leute.
Nun stellt sich die Frage: Ist dies ein Versehen - oder Absicht? Steckt gar Methode dahinter?
Um dieser Frage nachzugehen, habe ich ein Beispiel ausgewählt, dass durch das Internet leicht zugänglich ist: Einige Texte des “Freiberuflichen Philosophen” Dr. Dr. Joachim Kahl aus Marburg an der Lahn.
Marburg hat sich ja jüngst durch einige Ereignisse in die Schlagzeilen gebracht, die, wie ich finde, unangenehm an die jüngere Geschichte der Stadt anknüpfen. [Das Themenfeld 'Marburg im Nationalsozialismus' ist derart umfangreich, dass ein einzelner Link das Bild mehr verzerrt als erhellt - für den Anfang kann schon eine Internet-Suchmaschine weiterführende Einblicke liefern.]
Nun sollte man meinen, dass ein ’freiberuflicher Philosoph’ (gibt es eigentlich einen ’beruflichen’ Philosophen? Ich hielt das Philosophentum immer für eine Berufung, jedoch nicht für einen Beruf???), der sich selbst als Atheist bezeichnet, den evangelikalen und erzkatholischen Kreisen keine Schützenhilfe gibt, sondern den Verteidigern der Aufklärung Deckung verschafft - doch weit gefehlt!
Das erste Mal, dass ich diese Art von Agnostizismus/ Atheismuskritik durch Herrn Dr.Dr. Kahl zur Kenntniss nahm, war in dem von ihm veröffentlichten Artikel: “Deschners Aphorismen. Eine Kritik ihres Menschenbildes sowie ihres Gesellschafts- und Geschichtsverständnisses” (Der Artikel und alle weiteren aufgeführten Texte von J. Kahl können über ‘www Kahl minus Marburg’ gefunden werden). Der Text und eine Erwiderung dazu finden sich in dem Buch ‘ “Aufklärung ist Ärgernis…” Karlheinz Deschner. Leben – Werk – Wirkung’ Herrausgegeben von Hermann Giselbusch und Michael Schmidt-Salomon (Gabriele Röwer: ‘Wo bleibt das Positive, Herr Deschner? Offener Brief an Joachim Kahl’. Ein Auszug kann heruntergeladen werden unter: http://www.deschner.info/index.htm?/de/person/sammelband.htm ). Abgesehen davon, dass nach literaturwissenschaftlicher Betrachtung beide KritikerInnen den Fehler machen sich auf den Autor anstelle des Textes zu beziehen, sind beide Beiträge sehr lesenswert.
Weitere Texte dieser Art von Dr. Kahl sind:
‘Fehlstart. Zur Kritik an Michael Schmidt-Salomons „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur“ (2005)’
(Der Beitrag von Michael Schmidt-Salomon findet sich auf der Seite:
www.schmidt-salomon.de/kahlkritik1.pdf. )
Und
‘Weder Gotteswahn noch Atheismuswahn. Eine Kritik des „neuen Atheismus“ aus der Sicht eines Vertreters des „alten Atheismus“ ‘
Ich möchte mich im Folgenden jedoch mit einem anderen Artikel beschäftigen und zwar mit:
‘Homosexualität – Ehe – Familie. Philosophisch-ethische Überlegungen zu einem aktuellen Normenkonflikt’ (Aufklärung & Kritik 2/2001)
Zum Einstieg möchte ich einen kurzen Abschnitt aus Michael Schmidt-Salomons Kritik ” Der Humanismus mit der Bügelfalte – Kritische Überlegungen zu Joachim Kahls Buch ‘Weltlicher Humanismus’. Redebeitrag zum Streitgespräch ‘Humanismus zwischen Lebenskunst und Kirchenkritik’. (Fürth, 27. Juni 2006, Veranstalter: Humanistische Akademie Bayern) ” wiedergeben:
1. Kahls Haltung zur Homosexualität: (S.221ff.): Natürlich ist Joachim Kahl als liberaler Bildungsbürger nicht mehr im strikten Sinne homophob, auch Lesben und Schwule dürfen sei-ner Meinung nach ein ihren Neigungen entsprechendes Leben führen. Leben und Leben lassen, meint unser Philosoph dazu. Aber die bürgerlichen Ressentiments reichen bei Joachim Kahl doch immer noch so weit, dass er sozialwissenschaftliche Fakten auf Biegen und Brechen so uminterpretiert, dass der vermeintliche Vorrang der bürgerlichen Normfamilie gegenüber allen alternativen Lebensformen gesichert bleibt.
Das streift im Wesentlichen die Probleme, die bei der Betrachtung von J. Kahls “Homosexualität – Ehe – Familie” auffallen, greift aber im Ganzen zu kurz und ist im Detail zu unpräzise.
Überspringen wir das Inhaltsverzeichniss und kommen wir gleich zur Einleitung der “Philosophisch-ethischen Überlegungen”:
Artikel wird in Kürze fortgesetzt …
Einleitung: Grundpositionen und Problemhorizont
Fangen wir GANZ klein an: Was ist gemeint mit den Begriffen ‘Grund-position(en)’ und ‘Problemhorizont’?


